
Yana Varbanova
Yana Varbanova hat Kulturwissenschaften, Medien und Kommunikation in Sofia, Frankfurt/Oder und Nizza studiert. Sie arbeitete als Organisatorin und Moderatorin an verschiedenen Theaterprojekten in Bulgarien, sowie auch als Journalistin für Kulturmagazine und bei Projekten und Kulturevents. In München möchte sie im September 2009 ihr Projekt „Urban Visions - Sofia Special Edition“ im Rahmen eines kleinen Festivals anhand von Präsentationen, einer Photoausstellung, DJ und VJ Performances die Frage thematisieren, was für ein visuelles Schicksal Sofia nach der Zeit des Übergangs hat.
Was ich mir für Deutschland vorgenommen habe
Kunst liebt Kultur. Kultur hasst Kunst. Kunst hasst Kultur. Kultur liebt Kunst. Dieser Prozess ist eine Spirale des gegenseitigen „Ja-Neins“. Der süße Vorteil davon lautet – alles ist Kunst – fast alle Zensuren sind gefallen (ok, oder zumindest clever ersetzt) – die kulturellen Kanäle sind geöffnet. Die sprachlichen Grenzen schlafen in der Vergangenheit. „Überschreiten verboten-Vergessen angesagt“! - verkündet das Schild mit den unzähligen Farben.
Die junge bulgarische Szene hat diese Worte schon in ihrem Manifest fleißig notiert. Das ist der erste Schritt. Die junge bulgarische Szene betrachtet sich nicht mehr als versteckte Avantgarde – diese Rolle ist doch altmodisch. Das ist der zweite Schritt. Die junge bulgarische Szene wiederholt nicht die alten Refrains aus dem bekannten Lied der kulturellen Geschlossenheit der bulgarischen Kunst. Sie sucht die Kommunikation, den Dialog, die „live“ Übertragung ihrer neu geborenen Ideen und Wünsche. Das ist der dritte Schritt. Die neue bulgarische Kunst steckt nicht mehr in der Illusion, sondern in der Realisation. Sie hat Körper, sie hat Stimme, sie hat Visionen, sie hat Worte. Das ist der vierte Schritt. Damit diese Organe zum gemeinsamen Leben kommen können, müssen sie mitgeteilt werden. Das ist "Mein Schritt."
Als Kulturmanagerin werde ich die Rolle des Mediators übernehmen – zwischen verschiedenen Existenzen, Denkweisen, Vorstellungen, Wahrnehmungen. Für einen Augenblick sie zu mixen wäre mein Wunsch. Für einen weiteren Augenblick sie in einer gemeinsamen Sprache sprechen zu hören, wäre ein weiterer Wunsch. Für mehrere Augenblicke nicht in der Tendenz zu bleiben ist mein Traumwunsch. Die Existenz in der Tendenz ist sicher, aber langweilig. Deshalb ist mein Ziel, nicht in den Tendenzen zu arbeiten, sondern das Risiko einzugehen, die Tendenzen zu zerstören und neu zu erschaffen .
