
Silent Sozial Corruption
Deutschlandweit erste Einzelausstellung von Armando Lulaj bis 21. März 2010 in München.
Der albanische Künstler und derzeitige Villa Waldberta-Stipendiat Armando Lulaj zeigt vom 22. Januar bis 21. März 2010 in der Städtischen Kunsthalle Lothringer13 seine erste Einzelausstellung in Deutschland, kuratiert von Adela Demetja.
Der Künstler, geboren 1980 in Albanien, lebt und arbeitet seit einigen Jahren in Italien. In seinen seinen investigativ erarbeiteten gesellschafts- und kapitalismuskritischen Arbeiten setzt er bewußt auf Provokation – was ihm nicht nur immer wieder Ärger mit den jeweiligen Kultur- und Gesetzeswächtern, sondern auch das Feedback einbringt, auf das er aus ist: Heftige Reaktion statt mitschuldig machender Passivität.
Die Ausstellung „Silent Sozial Corruption“ thematisiert seine Reflexion und Prüfung der aktuellen Situation der Welt. Er spricht eindeutig und mutig über hochsensible Themen, mit denen wir heute als gesamte Gesellschaft konfrontiert sind. Lulaj möchte provozieren. Nicht nur die Autoritäten, sondern uns alle. Denn in gewisser Weise sind wir alle schuldig. Schuldig durch unsere passive und gleichgültige Art zu leben.
Für die Ausstellung hat Lulaj während der zwei Monate, die er in der Villa Waldberta in München Stipendiat war, zwei neue Arbeiten produzieren lassen. Der erste Teil der Arbeit „WORK SETS YOU FREE“ stellt eine Site-Specific-Intervention dar, während derer fünf in Deutschland lebende Migranten aus Palästina, Afghanistan, Iran und Kurdistan gegen Bezahlung im Angesicht von zwei (ebenfalls bezahlten) Dobermännern eine Stunde lang aushalten mussten. Die fotografische Dokumentation dieser Aktion wird in der Ausstellung zusammen mit einem Neonschriftzug mit dem spiegelverkehrten Wortlauf „arbeit macht frei“ ausgestellt. „WORK SETS YOU FREE“ handelt von Flüchtlingen, Migration, politischem Asyl, Rassismus, Bürokratie sowie generell von Arbeitsmigranten in Europa. Die in Deutschland lebenden Migranten sollten in dieser Aktion ihre eigene Lebensrealität darstellen, auch wenn diese in den Kontext eines Kunstraumes verschoben wurde. Lulaj erklärt dazu „die heutigen Juden sind die Menschen aus Palästina, Afghanistan, Irak und Kurdistan.“
Die zweite für die Ausstellung in der Lothrigner13 produzierte Arbeit, die als eine Art Orientierung für die ganze Ausstellung dienen kann, ist der Neonschriftzug „WHEN YOU COME HERE WHAT YOU SEE HERE WHAT YOU HEAR HERE WHEN YOU LEAVE HERE LEAVE IT HERE“. Diese Arbeit funktioniert als eine Art POLITICALMASTURBATION: Wenn wir die Ausstellung ansehen, „sehen“ wir sie nicht nur an, sondern wir „kommen“ auch in einem anderen Kontext. Ursprünglich stammt diese Anweisung aus dem Kontext der rassischen Segregation in den USA und verweist auf einige Grundregeln, die dort zu befolgen waren. Beide Neonschriftzüge wurden in Albanien produziert, von illegalen aus China stammenden Arbeitern.
Weitere Informationen:
Website Städtische Kunsthalle Lothringer13
Führungen durch die Ausstellung mit L13 Kuratorin Uli Aigner am 3. Februar und 3. März 2010 jeweils um 19.00 Uhr.