Kulturmanager aus Mittel- und Osteuropa

Feedback 1989

Der Fall der Berliner Mauer 1989 war nicht nur für die Deutschen in Ost und West ein wichtiges historisches Ereignis, das in der Wiedervereinigung mündete und Deutschlands Stellung innerhalb Europas entscheidend veränderte. Er signalisierte auch den Anfang politischer Veränderungen in anderen sozialistischen Ländern und stieß damit neue Entwicklungen auch im kulturellen Bereich an. Die Ausstellung "feedback 1989" nimmt das 20-jährige Jubiläum des Mauerfalls zum Anlass, um die Transformationen zu thematisieren und gleichzeitig nach der unterschiedlichen Rezeption dieses historischen Ereignisses in den Ländern zu fragen, deren politische und wirtschaftliche Situation sich in den letzten 20 Jahren gravierend geändert hat.

 

"Feedback" ist hierbei weniger im heute gebräuchlichen Sinn einer "Reaktion auf etwas" gemeint, sondern in dem Sinn, den das Wort in der Akustik hat: dort bedeutet es "unerwünschte, störende Rückkopplung in einem akustischen System, bei dem sich Mikrofon und Lautsprecher (also Sender und Empfänger) in einem Beschallungsraum befinden". Störgeräusche, schrille Töne – das Gegenteil von "Harmonie". 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges ist die vielleicht naive Vision von einem geeinten Europa mit gleichen Bedingungen für alle europäischen Bürger weit von der Realität entfernt. Vor allem in der Balkan-Region und in den ehemals sowjetischen "Bruderländern" war es jahrelang zu teils blutigen Auseinandersetzungen gekommen, die eine Zersplitterung der Landkarte zur Folge hatten. Viele der ehemaligen "Ostblock-Staaten" sind zwar inzwischen Mitglieder der EU, die Lebensbedingungen etwa in Deutschland und Bulgarien oder Frankreich und Rumänien könnten aber unterschiedlicher kaum sein.

Dass diese Ausstellung in Albanien stattfindet, ist wiederum kein Zufall – denn trotz Öffnung und Demokratisierung kann man fast von einer noch immer existierenden "Mauer" sprechen: Es ist kein "antifaschistischer Schutzwall" von kommunistischer Seite mehr, sondern die restriktive Visapolitik vieler EU-Länder, die es den Einwohnern dieses Landes verwehrt, von einer der am meisten ersehnten Errungenschaften des Mauerfalls zu profitieren: von uneingeschränkter Reisefreiheit ... Und ausgerechnet in einem Hotel werden nun die Arbeiten der Künstler gezeigt, die in ganz unterschiedlicher Weise die vergangenen 20 Jahre thematisieren. Strukturell sind ja Hotels von Museen gar nicht so verschieden: Beides sind Orte, die für begrenzte Zeit Reisenden oder eben Kunstwerken zur Verfügung stehen, leere Hüllen, deren "Bewohner" ständig wechseln. Zu Enver Hoxhas Zeiten stand das Hotel Dajti nur Parteimitgliedern oder Staatsgästen offen – dass es heute mit dieser Ausstellung (und anderen, etwa der Tirana-Biennale) internationalen Künstlern ein Forum bietet, kann schon fast als Ausblick auf seine künftige Funktion als Außenministerium gewertet werden – Kunst und Kultur treten als "Botschafter", als Beispiele für ein Miteinander auf, das im politischen Bereich nicht immer so ohne Weiteres funktioniert.

Die Ausstellung ist dreiteilig angelegt:

  • Reflexionen – der Fall der Berliner Mauer in europäischen Schulbüchern

Welche historischen Ereignisse waren 1989 in Deutschland, welche in Albanien, welche in anderen Ländern prägend? Kann es eine "objektive" europäische Geschichtsschreibung überhaupt geben? Durch die Gegenüberstellung von Ausschnitten aus europäischen Schulbüchern wird eine einseitige Darstellung vermieden und ein "vielseitiger" Streifzug durch die Jahre der meist friedlichen Revolutionen möglich.

 

  • Europäische Künstler zu Erinnerung und Geschichte

 In den repräsentativen Räumen des Hotels im Erdgeschoss zeigen Künstler aus Rumänien, Serbien, Albanien, Bulgarien, Kosovo und Deutschland Arbeiten, die sich mit dem Thema "Erinnerung" auseinandersetzen – mal mit deutlichem Bezug zu den Geschehnissen 1989, mal allgemeiner mit den Veränderungen seit 1989. Fast unbeteiligt, wie eine stille Beobachterin wirkt schließlich Balkenhols überlebensgroßes Relief "Frau".

 

  • Artists in residence

Die Hotelzimmer im ersten Stockwerk werden Künstlern aus Berlin und Tirana zur Verfügung gestellt, die dort ihre Werke / ihre Arbeitsweise vorstellen, häufig mit Ortsspezifischen Installationen. Die Unterschiedlichkeit der Arbeiten und des Umgangs mit dem Raum ist durchaus ein Spiegel dessen, was der Mauerfall in kultureller Hinsicht ermöglicht hat: Pluralismus, Vielfalt, Heterogenität. Ein Interview-Film gibt Antworten auf die Frage, ob der Mauerfall bzw. die Ereignisse nach 1989 für die jeweilige künstlerische Arbeit eine Rolle spielten oder spielen.

 

Beteiligte Künstler: Roland Albrecht, Stephan Balkenhol, Nikolin Bujari, Uroš Djuri c, Jakup Ferri, Driton Hajredini, Julia Kissina, Ledia Kostandini, Petrit Kumi, Armando Lulaj, Istvan Laszlo, Jin Lie, Peggy Meinfelder, Anke Mila Menck, Petrit Kumi, Beatrice Minda, Juli Ndoci, Alketa Ramaj, Albrecht Schäfer, Zuzanna Skiba, Kamen Stoyanov, Gabriela Volanti

 

Kuratiert von Adela Demetja und Julie August

Termine/ Veranstaltungen

vom 29. Oktober bis 11. November 2009

Hotel "Dajti" in Tirana 

Projektleitung